#004: 3 Fallstricke, über die Du beim Sparen und Investieren nicht stolpern solltest

Servus, mein Name ist Felix Großmann und es freut mich, dass du bei der heutigen Episode von „Jung anlegen. Frei leben.“ wieder dabei bist.

Die heutige Folge ist der Abschluss des ersten Blocks zum Thema Sparen. Du hast mittlerweile einen Überblick über deine Finanzen und kennst dein Sparpotenzial. Außerdem hast du dich intensiv mit deinen Lebenszielen auseinandergesetzt. Aus denen hast du dir nachhaltige Sparziele definiert, bei denen du auch in schwierigen Zeiten am Ball bleibst.

Heute geht es um drei Fallstricke auf dem Weg zum erfolgreichen Sparer – und wie du sie umgehen kannst.

Fallstrick 1: Du legst dir keinen Notgroschen an

Im Alltag gibt es viele Situationen, die dich kurzfristig finanziell arg strapazieren können.

Dein Auto geht kaputt, die Waschmaschine gibt den Geist auf oder deine Katze wurde angefahren und du musst deswegen zum Tierarzt. Es gibt viele kleine und große Unglücke, die dazu führen können, dass du aus dem Stand einen hohen Geldbetrag locker machen musst.

In solchen Situationen hilft es, wenn du dir einen Notgroschen zurücklegt hast. Der sollte mindestens drei Nettomonatsgehälter betragen. Das ist mal die grundsätzliche Daumenregel. Natürlich ist das auch davon abhängig, wie deine aktuelle Lebenssituation aussieht. Dementsprechend kann der Betrag variieren.

Wenn du Kinder hast dürfen es gerne auch mal sechs oder mehr Nettomonatsgehälter sein.

Auch als Freelancer mit schwankendem Einkommen schadet ein größeres Polster nichts. So kannst du eine längere schlechte Auftragslage überbrücken.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Geld schnell verfügbar und sicher ist. Der Notgroschen soll keine Rendite bringen. Stell ihn dir als Fels in der Brandung vor, der dich bis zu einem gewissen Grad vor finanziellen Schwierigkeiten schützt.

Hier eignet sich ein Tagesgeldkonto am besten. Im Idealfall hast du das bei deiner Hausbank, damit du im Fall der Fälle das Geld sofort auf das Girokonto überweisen kannst. In meinen Augen macht es keinen Sinn, für ein paar Zehntel mehr Zinsen eine andere Bank zu wählen. Du verlierst Flexibilität, weil es meistens mindestens einen Tag dauert, bis das Geld auf deinem Girokonto angekommen ist. Außerdem macht eine Differenz von 0,2% Zinsen bei einem Notgroschen von 6.000 Euro gerade mal 12 Euro aus.

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Probleme, bei denen du nicht diesen einen Tag warten kannst. Aber falls es dich trifft, hättest du mit Sicherheit lieber diese 12 Euro als eine Art Versicherungsprämie in Kauf genommen. Dein Geld lässt du lieber an anderer Stelle für dich arbeiten.

Erstes Sparziel Notgroschen

Der Notgroschen sollte dementsprechend immer dein erstes großes Sparziel sein. Er gehört mit zum Fundament einer erfolgreichen Anlagestrategie. Es ist riskant, wenn du in langfristige Geldanlagen wie Aktien investierst, während du dein Sicherheitspolster noch nicht zusammen hast. Im schlimmsten Fall musst du dich mit Verlusten von ihnen trennen, weil du das Geld unverhofft kurzfristig brauchst.

Stell dir vor, du hast es in den letzten Jahren mit dem Notgroschen nicht so genau genommen. 1000 Euro hast du dir für Notfälle beiseitegelegt. Das ist ein Anfang, aber noch weit weg von drei Nettomonatsgehältern.

An der Börse warst du dafür umso fleißiger. Du hast in den vergangenen drei Jahren jeden Monat 200 Euro in Aktien angelegt. Theoretisch hast du also schon 3.600 Euro gespart.

Als du heute Morgen mit deinem Auto zur Arbeit fahren wolltest, ist es nicht mehr angesprungen. Du hast es vom ADAC in die nächste Werkstatt abschleppen lassen. Der Schaden wurde auf ca. 3.000 Euro geschätzt.

Bis auf die 1.000 Euro hast du jetzt aber keine Ersparnisse, die sofort verfügbar sind. Kein Problem, denkst du dir. Im Depot liegt ja auch noch viel Geld.

Dann bekommst du erstmal einen Schreck. Wegen der wirtschaftlich angespannten Lage sind die Kurse gefallen. Dein Depot ist aktuell gerade mal 2.000 Euro wert. Mit dem Notgroschen von 1.000 Euro reicht es also gerade so, um die Reparatur zu bezahlen.

Da du keine andere Möglichkeit hast, musst du zu diesem schlechten Zeitpunkt verkaufen. Besonders ärgerlich, weil Aktien langfristig spätestens nach 16 Jahren immer eine positive Rendite erwirtschaftet haben. Vorausgesetzt, du warst weltweit diversifiziert, wie es mit einem ETF sehr leicht möglich ist.

Solche finanziellen Engpässe aufgrund von schlechtem Timing können dir übrigens nicht nur mit Aktien passieren. Wenn du dein Geld beispielsweise für mehrere Jahre in einen Sparbrief anlegst, dann kommst du an dein Geld auch nicht vorzeitig ran. Das ist vertraglich so festgelegt. Entweder verhandelst du gut mit deinem Ansprechpartner in der Bank, dann kannst du das Geld auslösen. Eventuell musst du noch eine Vertragsstrafe zahlen. Falls das nicht klappt, musst du einen Kredit aufnehmen, obwohl du das Geld eigentlich hast. Super ärgerlich, oder?

Beides hättest du vermeiden können, wenn du von Anfang an dein ganzes Geld erstmal zum Ansparen des Notgroschens verwendet hättest. Nach der Reparatur hättest du dann noch 1.600 Euro übrig. So hast du entweder nichts mehr oder musst einen Kredit inklusive Zinsen abzahlen.

Das wars mit Fallstrick Nummer 1, kommen wir jetzt zu …

Fallstrick 2: Du sparst, was am Ende des Monats übrigbleibt

Damit machst du dir das Sparen meiner Meinung nach nur unnötig schwer. Das hat auch einen ganz einfachen Grund. Wenn das Geld frei verfügbar auf deinem Konto liegt, dann neigst du auch eher dazu, es auszugeben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man jeden Monat das Geld einplant, das man auf dem Girokonto zur Verfügung hat. Das heißt, selbst wenn du explizit nicht dein ganzes Gehalt ausgibst, wirst du dazu tendieren, mehr Geld auszugeben, als nötig.

Deswegen ist es wichtig, dass du dein Konsumbudget klar von deinen Ersparnissen trennst. Am besten überweist du deine Sparrate gleich am Anfang des Monats auf ein anderes Konto.

Wenn du noch auf deinen Notgroschen sparst, dann packst du es direkt auf das dafür vorgesehene Tagesgeldkonto. Falls du das Geld demnächst an der Börse investieren möchtest, dann gleich ab damit auf das Verrechnungskonto deines Depots!

Das Resultat ist, dass du das Geld für den Alltag nicht mehr einplanst. Du lernst mit dem Geld auszukommen, das du nach Abzug der Sparrate noch zur Verfügung hast.

Du bremst dich damit gleichzeitig in deinem Konsum, weil dein Konto zum Monatsende hin immer mehr gegen null läuft.

Das kann natürlich nur funktionieren, wenn du vorher deine Sparrate realistisch berechnet hast.

Falls sie zu hoch ist, demotivierst du dich selbst, weil du es nicht schaffst, mit deinem Budget auszukommen. Dann musst du deine Ersparnisse ständig auf dein Girokonto zurücküberweisen.

Auf der anderen Seite: Wenn du sie zu niedrig angesetzt hast, dann stehst du dir selbst im Weg. Du erreichst deine Sparziele langsamer, weil du dein Geld nicht bewusst für das ausgibst, was du wirklich brauchst.

Falls du hier neu bist noch ein Tipp: In der bereits veröffentlichten zweiten Episode zeige ich dir, wie du deine Sparrate realistisch berechnen kannst.

Wenn du gerade mit dem Sparen beginnst, tust du dir leichter, wenn du dich langsam an deine Ziel-Sparrate herantastest. Angenommen du möchtest 400 Euro zurücklegen. Beginne im ersten Monat mit 200 Euro. Im zweiten Monat steigerst du dich dann auf 300 Euro und im dritten Monat legst du dann die vollen 400 Euro zurück. So gewöhnst du dich nach und nach an das neue Budget.

Sparen und Investieren automatisieren

Noch einfacher kannst du dir das Sparen machen, indem du es automatisierst. Am besten funktioniert das mit Daueraufträgen. Wenn dein Gehalt am 28. des Monats kommt, dann erstell einen Dauerauftrag für den 29., der dein Geld auf die anderen Konten aufteilt.

Das hat mehrere Vorteile.

Erstens: Du baust Routine auf und disziplinierst dich. Und viel wichtiger: Du umgehst die Versuchung, die Sparrate spontan doch noch zu senken, wenn das Gehalt da ist.

Zweitens: Du sparst dir den Aufwand, jedes Mal alles manuell zu buchen.

Drittens: Du bremst deinen Konsum automatisch, weil du die Sparrate für deine Ausgaben im Alltag nicht mehr einplanst.

Fallstrick 3: Du unterschätzt den Zinseszins

Ich habe schon in der Einführungsfolge angeschnitten, dass der Zinseszins dein mächtigstes Werkzeug beim Vermögensaufbau ist.

Das Konzept ist sehr einfach. Nehmen wir an, dass du 1.000 Euro für ein Jahr zu einem Zins von 5% anlegst. Am Ende der Laufzeit bekommst du die 1.000 Euro wieder und zusätzlich die 50 Euro Zinsen.

Jetzt legst du das gesamte Geld zum gleichen Zinssatz nochmal ein Jahr an. Dieses Mal bekommst du aber nicht nur 50 Euro Zinsen, sondern 52,50 Euro. Die 50 Euro Zinsen aus dem ersten Jahr haben sich jetzt auch verzinst und du bekommst 2,50 Euro mehr.

Das hört sich jetzt erstmal nicht besonders beindruckend an. Tatsächlich hat der Zinseszins aber vor allem über lange Zeiträume eine enorme Hebelwirkung.

Die durchschnittliche langfristige Rendite am Aktienmarkt lag in der Vergangenheit bei konservativ 7% vor Steuern und Inflation. Wenn du diese beiden Faktoren und zusätzlich die Kosten für deine Käufe und Verkäufe abziehst, dann ergibt sich eine Nettorendite von 4-5% pro Jahr.

Nehmen wir an, dass du 40 Jahre lang jeden Monat 100 Euro am Aktienmarkt investiert hast. Du hast es netto auf eine Rendite von 5% pro Jahr gebracht. Was denkst du, wieviel Geld daraus geworden wäre?

Sage und schreibe fast 149.000 Euro. Das Interessante ist aber, dass du davon nur 48.000 Euro selbst gespart hast. Die restlichen 101.000 Euro hast du dem Zinseszins zu verdanken.

Beeindruckend, oder? Was ist da erst möglich, wenn du es schaffst deine Sparrate zu steigern und wesentlich mehr als 100 Euro zurückzulegen kannst?

Im Umkehrschluss hat der Zinseszins aber noch eine weitere interessante Eigenschaft. Je länger der Zeitraum ist, in dem du auf ein konkretes finanzielles Ziel sparst, desto geringer ist deine monatliche Sparrate.

Wenn du mit 25 Jahren für dich festlegst, dass du zum Renteneintritt in 40 Jahren 500.000 Euro in Aktien angelegt haben möchtest, dann musst du dafür jetzt 336 Euro im Monat anlegen. Falls du dir dieses Ziel erst 10 Jahre später steckst, weil du beispielsweise auf deine Rentenlücke aufmerksam geworden bist, dann musst du schon 611 Euro pro Monat sparen.

Aber nicht nur deine monatliche Sparrate sinkt, sondern gleichzeitig die Gesamtsumme, die du zum Erreichen deines Ziels aufwenden musstest.

Mit 25 Jahren musstest du nur 161.280 Euro selbst aufbringen, mit 35 Jahren waren es dann schon knapp 220.000 Euro (219.960 Euro). Das sind fast 60.000 Euro mehr!

Top 5 Erkenntnisse dieser Episode

Zum Abschluss nochmal die Top 5 Erkenntnisse aus dieser Folge zusammengefasst.

  • Lege dir einen Notgroschen an, der mindestens drei Nettomonatsgehälter beträgt.
  • Investiere nicht langfristig, bevor du deinen Notgroschen zusammen hast.
  • Trenne dein Konsumbudget klar von deinen Ersparnissen.
  • Automatisiere Sparen und Investieren mit Daueraufträgen und Wertpapiersparplänen.
  • Nutze den Zinseszins, um dir große in der Zukunft mit kleinen Sparraten zu ermöglichen.

Abschließende Worte

So. Das wars mit der heutigen Episode von „Jung anlegen. Frei leben.“.

Teile die Folge gerne mit deinen Freunden, damit sie auch nicht über diese drei Fallstricke beim Sparen und Investieren stolpern.

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Schick mir gerne Feedback oder Fragen an felix@jung-anlegen.de.

Das wars von mir. Bis zum nächsten Mal!

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